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Besichtigung der Villa Bölke

16.07.2020

Der erste Stammtisch nach den Lockerungen der Beschränkungen durch die Corona Epidemie bot den Neuruppiner Lions die Gelegenheit, von den Eheleuten Larretgere eine Führung durch die von ihnen sanierte Villa Bölke zu erhalten. Die hochherrschaftliche Jugendstilvilla war von dem Neuruppiner Stärkefabrikanten Ernst Bölke 1913 für seinen Schwiegersohn, den Justizassessor Paetsch, gebaut worden. Die Familie bewohnte die etwa 250 m² große mit prachtvollen Stuckarbeiten und farbigen Bleiglasfenstern ausgestattete Beletage, die mit einem großen Salon auch Platz für Empfänge und Festlichkeiten bot. Im Erdgeschoss waren Büroräume für den Schwiegersohn untergebracht. Die im Dachgeschoss gelegenen Kammern für die Bediensteten waren nur über eine enge und lange Wendeltreppe zu erreichen.

Zu DDR-Zeiten musste aus den prachtvollen Sälen möglichst viel Wohnraum geschaffen werden. Und so wurden die Räume, ohne Rücksichtnahme auf die kunstvollen Stuckarbeiten durch Stellwände getrennt. 1993 wurde das nun nicht mehr prachtvolle Anwesen von der NWG übernommen. Von einer Sanierung musste die Wohnungsbaugesellschaft aus Kostengründen Abstand nehmen. Zu kostenintensiv wären die geforderten Denkmalschutzauflagen gewesen. Damit war für eine städtische Gesellschaft nach Kosten- und Nutzenmaßstäben eine Sanierung nicht vertretbar. Durchgeführt von der NWG wurden jedoch notwendige Erhaltungsmaßnahmen, um das Objekt nicht dem Verfall preiszugeben. Einen Instandhaltungsrückstau gab es jedoch insbesondere beim Dach, denn nach Meinung von Philippe Larretgere ist man den Wasserschäden zu spät entgegengetreten. Verärgert ist der Bauherr auch darüber, dass die antiken Türschlösser, Klinken und Beschläge entwendet wurden. Nur vereinzelt sind Beschläge erhalten, die meisten Schlösser und Klinken mussten über einen Spezialmarkt für antike Türschlösser und Klinken teuer beschafft werden. Als Glück wurde empfunden, dass die Stuckarbeiten nicht abgeschlagen, sondern  übermalt und überputzt worden waren. So konnten sie in mühevoller Kleinarbeit durch Abkratzen der späteren Schichten wieder freigelegt werden.

Sehr aufwendig war natürlich die Erfüllung der denkmalschutzrechtlichen Auflagen. Die umfangreiche Dokumentation erforderte Unmengen an Fotografien. Jedes Fenster, jede Verglasung, jeder Türsturz musste von allen Seiten abgelichtet werden. Gewissermaßen musste für jeden Raum eine Dokumentation angefertigt werden, die von der Denkmalschutzbehörde abgesegnet werden musste. Trotz dieses Aufwands kann sich Philippe Larretgere nicht über die Zusammenarbeit mit der Behörde beklagen. Ein renditebewusster Investor hätte aufgrund dieses hohen Aufwands von einer Sanierung Abstand genommen. Interessenten gab es einige, die jedoch dann abgewunken haben. Die Familie Larretgere ist mit viel Idealismus die Sanierung angegangen und hat auch selbst tüchtig mit angepackt. So wurden zusammen mit den Kindern 270 m² Parkett verlegt. Der Bauherr selbst hat etliche 100 Quadratmeter mit der Parkettschleifmaschine bearbeitet. Das Ehepaar Larretgere ist die Sanierung der Bölke Villa nicht aus Renditegründen angegangen. Auch der Mietpreis, der knapp unter 10 € liegt, kann nicht kurzfristig den Sanierungsaufwand wieder reinholen. Wichtig für die Bauherren ist, dass die Villa wieder bewohnt wird. Abgeschlossen ist die Sanierung damit noch nicht. Denn die Larretgeres würden auch gern das Dachgeschoss ausbauen. Hierfür eine Baugenehmigung zu bekommen, wird noch einmal eine spannende Sache werden, denn bisher führt nur die enge Wendeltreppe nach oben. Einen Tag nach dem Besuch der Lions wird der Besuch der Denkmalschutzbehörde erwartet. Dass hierbei alles zufriedenstellend abläuft, dafür drücken wir den sympathischen Bauherren fest die Daumen.

Text und Fotos Haka Book

 

Foto: Das Ehepaar Larretgere gibt den Neuruppiner Lions einen Eindruck von der Sanierungsleistung

Fotoserien zu der Meldung


Besichtigung der Bölke Villa (16.07.2020)

Noch ist einiges zu tun, aber der alte Glanz tritt wieder in den Vordergrund. Ein Rundgang durch die sanierte Bölke Villa.

 

17 Fotos von ein Foto von Dirk Schwedland.

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